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Freitag, den 22. Oktober 2010 um 00:00 Uhr

 

 

Jürgen Ausber - Telematik schafft gläsernen Fahrer

Es sieht aus wie ein Navigationssystem und ein CD-Autoradio: Aber Jürgen Ausber weiß, dass sich hinter der Telematik viel mehr verbirgt als nur Unterhaltungselektronik.

Alverskirchen/Telgte - Lkw-Fahrer kennen sich auf Deutschlands Straßen aus: Sie finden jede Adresse, liefern in die entlegensten Industriegebiete die Ware und sind meist auch pünktlich wieder auf ihrem Betriebshof, um für die nächste Tour zu laden. So mancher meint sogar, dass ein Lkw-Fahrer gleich einen ganzen Atlas im Kopf hat.

Doch auch vor den Last­kraftwagen hat der technische Fortschritt nicht halt gemacht. Nicht nur Navigationssysteme erleichtern den Fahrern die Arbeit, sondern gleich die gesamte Disposition inklusive der Lkw-Ortung kann heute satellitengestützt gemacht werden. „Telematik” lautet das Zau­berwort. „Es sind verquickte Systeme, die mehrere Funktionen gleichzeitig wahrneh­men”, weiß Jürgen Ausber, Ge­schäftsführer des gleichnami­gen Unternehmens. Denn mittlerweile könne der Dis­ponent das Fahrzeug per GPS orten und den genauen Standort ermitteln, gleichzeitig werde die Information an die Fuhrparkzentrale wei­tergeleitet. „Das hat man frü­her per SMS gemacht”, so Ausber. Heute gehe das per GPRS. „Alle 15 Minuten wird ein Zeichen gesendet.”

Damit nicht ge­nug: Nicht nur dass durch die Ortung ein wirksamer Dieb­stahlschutz gegeben ist, son­dern auch alle technischen Daten wie Bremsen, Verschleißanzeige und sogar das Auftragsmanagement werden heute direkt an den Disponen­ten weitergeleitet - und der steht im Kontakt zum Fahrer, um die nächsten Aufträge zu erteilen. Das habe allerdings einen Nachteil: „Der Fahrer wird durch so ein System glä­sern. Und das stößt nicht bei allen auf Gegenliebe.“

Ausber weiß, wovon er re­det, denn die Familie hatte selber eine Spedition. „Wir haben immer Wert darauf ge­legt, unsere Leute, die bei uns beschäftigt waren, zu halten und die hatten dann meist auch Erfahrung, kennen die Straßen und so manche Abkürzung“, lacht der Ge­schäftsführer. Doch Lkw-Fah­rer, die die Strecken im Kopf haben, seien schon fast gänz­lich ausgestorben.

Im Fernverkehr ist das Navigationsgerät, das gleichzeitig auch Staus und Baustellen an-zeigt und sogar ein mobiles Büro darstellt, Standard ge­worden. „Der Disponent kann sogar einen Weg vorgeben, den der Fahrer dann umzusetzen hat - und das ist für eine professionelle Fuhr­parkplanung unerlässlich.” Daher komme auch ein mobi­les Navigationsgerät für die meisten Fahrer nicht in Frage - man setze auf feste Einbauten. „So etwas kann man eben nur sehr eingeschränkt nutzen“, erklärt Ausber im WN-Gespräch. Denn gerade im Speditionsgeschäft sei die Gewinnmarge sehr gering: „Man muss sich optimieren, um das Ziel zu erreichen, kann sich heutzutage kei­ne Umwege mehr leisten.”

Seit rund drei bis fünf Jah­ren werden verschiedene Datenbanken gerade für den Pkw-Bereich geführt - und diese Erkenntnisse sind auch in die Lkw-Technik eingeflos­sen. „Mittlerweile können die Fahrer sogar die Höhe von Brücken im Navi erkennen”, so Ausber. Nur die Aktualisie­rung gehe noch nicht per Funk oder GPRS. „Dafür gibt es dann eine DVD.“

VON CLAUS RÖTTIG, MÜNSTER, 22.10.2010

URL: http://www.westfaelische-nachrichten.de/lokales/kreis_warendorf/everswinkel/1424767_Telematik_schafft_glaesernen_Fahrer.html